Pegida – Ein Kind der öffentlichen Aufmerksamkeit?!

Seit Wochen gehen, vor allem in Dresden, zehntausende Bürger, Montag um Montag auf die Straßen, um zu demonstrieren. Volkes Zorn richtet sich gegen Arbeitslosigkeit, mangelnde Perspektiven, Altersarmut, die Politik insgesamt und die Medien.

Natürlich gibt es da auch noch die Moslems oder besser den Islam, der als Kern all dieser Probleme ausgemacht wurde und als Überschrift dieser Veranstaltungen herhalten muss. Mit der „gleichgeschalteten Lügenpresse“ wird sicherheitshalber gar nicht erst geredet, um einen offenen Diskurs zu vermeiden.

Eigentlich alles ganz schön absurd? Richtig! Doch statt es bei dieser Analyse zu belassen und einmal darauf hinzuweisen, dass die allermeisten Menschen die Sache anders sehen, genießen die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ seit Wochen die uneingeschränkte öffentliche Aufmerksamkeit.

Politiker aller Parteien äußern nahezu täglich ihr Unverständnis über die Demonstrationen und deren Hintergründe. Immer ergänzt um den Nebensatz, das Thema natürlich ernst zu nehmen und die Leute zurück auf den Pfad der Tugenden führen zu wollen.

Die Medien, deren Reaktionen anfangs ebenso von bloßem Unverständnis geprägt waren, erkannten schnell, dass das sich mit Pegida wunderbar die besinnlich-ruhige Weihnachts- und Neujahrszeit überbrücken lässt. Und so wurde das Thema Tag für Tag aufs Neue durchgekaut, gespickt mit immer neuen Details zu den Organisatoren, den vermeintlichen Motiven der Demonstranten oder Fehlern der Politik.

Gänzlich absurd wurde die Auseinandersetzung mit den „patriotischen Europäern“ allerdings, als die Diskussion um die Frage, ob diese Demonstranten nun zwangsläufig rechtsradikal oder rassistisch sein müssen, bereichert wurde. Sind die wahren Motive nicht ganz andere und muss man sich nicht dringend damit auseinandersetzen?

Zur Erinnerung: Pegida wird von einschlägig vorbestraften Rechtsradikalen organisiert und auf den Demonstrationen wird „Moslems raus!“ gebrüllt. Aber trotzdem hat jeder Demonstrant das Recht, auf sein persönliches Schicksal hin geprüft zu werden, um anschließend ein individuelles Nazi-Rating zu bekommen?

Jede Form grundsätzlicher Intoleranz, egal ob gegen Juden, Ausländer, Moslems oder sonst irgendwen ist per se so unglaublich unsinnig, dass zwangsläufig davon ausgegangen werden muss, dass sich hinter der öffentlich genannten Ursache eigentlich ganz andere Probleme verbergen müssen. Aber ist es deshalb falsch, diese Leute beim Wort zu nehmen? Bin ich wirklich verpflichtet, mit jedem einzelnen eine individuelle Therapiesitzung durchzuführen, um seine wahren Motive zu ergründen? Wohl kaum!

Wie aber nun mit Pegida verfahren? Es war sicher richtig darüber anfangs zu berichten, ebenso war es richtig, dass die Politik sich von dieser Bewegung klar distanziert hat. Genauso wie es wichtig war, dass die Bevölkerung klar gemacht hat, dass 20.000 Dresdener nicht für 82 Millionen Deutsche sprechen. Spätestens als sich Medien und Politik, ohne irgendwelche neue Fakten, aber wieder und wieder mit diesem Thema auseinandersetzten, wurde aus dieser öffentlichen Aufmerksamkeit nichts weiter als Publicity.

Wer Pegida als das sieht, was es ist, eine lächerliche Ansammlung frustrierter aller Couleur, der sollte nun vor allem eines tun: Warten bis sich das Problem von selbst erledigt hat!

TTIP oder ToTaler ImPerialismus?

Egal ob in linken oder rechten Kreisen: Es geht die Angst um. Denn auch die letzte europäische Bastion scheint dem amerikanisch-neoliberalen Imperialismus zum Opfer zu fallen: Unser Verbraucherschutz. Doch was ist von TTIP eigentlich aus amerikanischer Sicht zu halten? Wir versuchen es herauszufinden und werfen einen Blick von der anderen Seite des großen Teichs nach Europa. Mit den Augen des fiktiven kleinen amerikanischen Jungen Matthew.

Eigentlich habe ich von Europa nicht wirklich viel Ahnung. Über unsere Straßen fahren Autos von Mercedes, BMW und VW, die alle aus Deutschland kommen. Wenn wir in den Urlaub fliegen, tun wir das immer öfter mit Flugzeugen von Airbus. Auch die werden irgendwo in Europa gebaut.

Nun habe ich nach langem mal wieder etwas von denen da drüben gehört. Die EU plant ein Freihandelsabkommen mit uns, kurz TTIP für Transatlantic Trade and Investment Partnership. Darunter habe ich mir erst einmal nicht viel vorstellen können, deshalb habe ich meinen Vater gefragt.

In Zukunft sollen amerikanische wie europäische Firmen Waren in den jeweils anderen Kontinent verkaufen können, ohne dass diese bei der Einfuhr verzollt werden müssen. Soweit so gut. Damit aber nicht irgendwelche Sachen verkauft werden können, soll es Regeln geben, an die sich beide Seiten halten müssen, so genannte Standards.

Für die Leute in Europa mögen die geplanten Regelungen des TTIP kein großes Problem sein, aber mir machen sie wirklich Angst.

Bei uns müssen Medikamente unzählige Tests bestehen, um zugelassen zu werden. Bei denen da drüben geht das alles viel schneller. Vor vielen Jahren durfte z.B. das Schmerzmittel Contergan eingeführt werden, das vor allem in Deutschland viele behinderten Kinder nach sich zog. Bei uns ist es nie zugelassen worden.

Oder bleiben wir in der Gegenwart: Weil meine Mutter seit ihrer Pubertät Komplexe hatte, hat ihr mein Vater letztes Jahr eine Brustvergrößerung zum Geburtstag geschenkt. Bei uns wird das „verbaute“ Silikon streng geprüft, in Europa sind noch vor kurzer Zeit giftige Implantate der Firma PIP eingesetzt worden.

Komisch finde ich aber auch, dass in Deutschland Bier verkauft werden muss, dass nur sehr kurz haltbar ist. Bei uns kommt das so ohne weiteres nicht ins Land – aus gutem Grund. Aber woher weiß ich in Zukunft, ob ich nun ein vernünftiges Bier trinke oder nicht?

Richtig eklig wird es aber erst bei den Hühnchen. Damit man beim Essen nicht krank wird, werden sie bei uns in der Fabrik mit Chlor desinfiziert. In Europa ist das verboten. Sollen die Europäer essen was sie wollen, hab ich mir gedacht. Jetzt bestehen die Europäer aber plötzlich darauf, dass auch wir Hühner mit Keimen essen sollen. Was soll denn das?

Ganz ehrlich, mein Vater kann sich sowieso keinen Mercedes leisten, mit welchem Flugzeug ich fliege ist mir egal und sonst brauch ich sowieso nichts aus Europa. Sparen wir uns das Freihandelsabkommen doch einfach und und lassen alles so wie es ist!

Diese etwas überspitze Geschichte, soll das TTIP auch einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Nicht nur wir werden zu Kompromissen gezwungen sein, der anderen Seite geht es genauso. Sehen wir doch einfach mal die Chancen, vertrauen wir unseren Politikern und warten wir ab, was am Ende dabei herauskommt.